flagge-engl
Intuitive Gewiáheit

Buchmesse in Frankfurt/Main vom 06. - 10. Oktober 2010
A K V Arbeitskreis Kleinere Verlage im B”senverein des Deutschen Buchhandels

1905 formulierte Albert Einstein w„hrend seiner T„tigkeit am Eidgen”ssischen Patentamt in Bern seine Entdeckungen, die in die Annalen der Physik eingingen.[1] Im Jubil„umsjahr 2005 melden sich nun zahllose Autoren ber Einstein zu Wort. Sie tragen zusammen, was sich ber ihn vermelden l„sst. Ich reihe mich ein, aber nicht nur, um ber ihn zu berichten und seine Verdienste zu wrdigen. Das werden andere viel besser tun als ich.
Mehrere Jahrzehnte lang habe ich mich intensiv in seine Gedankenwelt vertieft und mehr gefunden als allenthalben besprochen wird. Natrlich hat er die atomare Struktur der Materie und die Quantennatur des Lichts nachgewiesen und daraus Schlsse gezogen.[2] Natrlich schuf er die Relativit„tstheorie. Das Ziel aber, das ihm – wie ebenso seinem F”rderer Max Planck – noch weit mehr am Herzen lag, n„mlich die gesamte Physik zu einer Einheit zu verschmelzen,[3] erreichten beide nicht. Dieses Ziel ist nach 100 Jahren – und was das Auffinden des Wirkungsquantums betrifft nach 105 Jahren – noch immer weit entfernt.
Von dem Punkt der physikalischen Entwicklung an, wo man ohne statistische Ermittlungsmethoden nicht mehr weiterkam, hatte man ihn im Stich gelassen. Er suchte indes parallel zu den Wahrscheinlichkeitsberlegungen stur einen direkten strengen L”sungsweg. Sein Festhalten an einem realen Lauf des Weltgeschehens ohne hyperdominiert bewertetes Wahrscheinlichkeitsprinzip erschien der jungen Generation der Physiker – teilweise auch der heute agierenden – als unmodern und beraltet. Aber die einseitig statistisch berbewertete Quantenphysik versperrt die Sicht auf eine einheitliche naturwissenschaftliche Auffassung. Ich widerspreche energisch:  Die Einheit der Physik und aller Naturwissenschaften wird erst durchzusetzen sein, wenn man zu Einsteins klaren und weitsichtigen Auffassungen zurckkehrt, u. a. zur Anerkennung einer erfassbaren realen Welt. Mir sind Behauptungen zuwider, die die Welt selbst nur als ¯wahrscheinlich® ansehen, weil uns bestimmte Fakten erst ber statistische šberlegungen zug„nglich sind. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Tatsachen, die wir nicht direkt entschlsseln k”nnen, beweisen nicht die Ungewissheit des Ganzen. Uns ist etwas wahrscheinlich oder unwahrscheinlich, wenn wir es nicht wissen. Fr das Ganze existieren solche Begriffsbeziehungen nicht. Das Universum ist sich seiner in jedem Falle sicher, gleichgltig, ob man das aus der Natur oder dem Glauben an Gott schlussfolgert.
Einstein wollte Tatsachen in Gedanken nachbilden, wie Ernst Mach empfahl, um "Erfahrung zu ersetzen oder zu ersparen durch Nachbildung und Vorbildung von Tatsachen in Gedanken, welche Nachbildungen leichter zur Hand sind als die Erfahrung selbst und diese in mancher Beziehung vertreten k”nnen.“[4] An Max Born schrieb Einstein 1947:  "Davon bin ich fest berzeugt, dass man schliesslich bei einer Theorie landen wird, deren gesetzm„áig verbundene Dinge nicht Wahrscheinlichkeiten, sondern gedachte Tatbest„nde sind, wie man es bis vor kurzem als selbstverst„ndlich betrachtet hat.“[5]
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
[1] Albert Einstein:  "šber einen die Erzeugung und Verwandlung des Lichtes betreffenden heuristischen GesichtspunktSechstes Heft, 6., S.132-148; "šber die von der molekularkinetischen Theorie der W„rme geforderte Bewegung von in ruhenden Flssigkeiten suspendierten TeilchenAchtes Heft, 5., Seiten 549-560; "Zur Elektrodynamik bewegter K”rperZehntes Heft, 3., Seiten 891-921; "Ist die Tr„gheit eines K”rpers von seinem Energieinhalt abh„ngig?Dreizehntes Heft, 13., Seiten 639-641
A n n a l e n  d e r  P h y s i k ,  Vierte Folge, Bd. 17, DER GANZEN REIHE 322. Bd., Begrndet und fortgefhrt durch F. A. C. Gren, L. W. Gilbert, J. C. Poggendorff, G. u. E. Wiedemann, K U R A T O R I U M : F. Kohlrausch, M. Planck, G. Quincke, W. C. R”ntgen, E. Warburg unter Mitwirkung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und insbesondere von M. Planck, hrg. von Paul Drude Leipzig 1905, Verlag von Johann Ambrosius Barth

[2] Albert Einstein:  "Zwischen den theoretischen Vorstellungen, welche sich die Physiker ber die Gase und andere ponderable K”rper gebildet haben, und der Maxwellschen Theorie der elektromagnetischen Prozesse im sogenannten leeren Raume besteht ein tiefgreifender formaler Unterschied. W„hrend wir uns n„mlich den Zustand eines K”rpers durch die Lagen und Geschwindigkeiten einer zwar sehr groáen, jedoch endlichen Anzahl von Atomen und Elektronen fr vollkommen bestimmt ansehen, bedienen wir uns zur Bestimmung des elektromagnetischen Zustandes eines Raumes kontinuierlicher r„umlicher Funktionen, so daá also eine endliche Anzahl von Gr”áen nicht als gengend anzusehen ist zur vollst„ndigen Festlegung des elektromagnetischen Zustandes eines Raumes. Nach der Maxwellschen Theorie ist bei allen rein elektromagnetischen Erscheinungen, also auch beim Licht, die Energie als kontinuierliche Raumfunktion aufzufassen, w„hrend die Energie eines ponderablen K”rpers nach der gegenw„rtigen Auffassung der Physiker als eine ber die Atome und Elektronen erstreckte Summe darzustellen ist. Die Energie eines ponderabeln K”rpers kann nicht in beliebig viele, beliebig kleine Teile zerfallen, w„hrend sich die Energie eines von einer punktf”rmigen Lichtquelle ausgesandten Lichtstrahles nach der Maxwellschen Theorie (oder allgemeiner nach jeder Undulationstheorie) des Lichtes auf ein stets wachsendes Volumen sich kontinuierlich verteilt.“
Ebenda Sechstes Heft, 6., Seite 132
[3] Max Planck: "Denn die physikalische Forschung kann nicht rasten, solange nicht mit der Mechanik und der Elektrodynamik auch die Lehre der ruhenden und der strahlenden W„rme zu einer einzigen einheitlichen Theorie zusammengeschweiát worden ist.“
"Die Kultur der Gegenwart, ihre Entwicklung und ihre Ziele“, 3. Teil: Mathematik/ Naturwissenschaft/ Medizin, 3. Abt: Anorganische Naturwissenschaften, 1. Band: PHYSIK Seite 821
[4] Shmuel Sambursky: "Der Weg der Physik - 2500 Jahre physikalisches Denken
Texte von Anaximander bis Pauli“
Hutchinson&Co/ArtemisVerl. Zrich, DTV Mnchen 1978, Seite 609
[5] Brauer/Streitwolf/Werner (Hsg): "Festband zum 75. Jahrestag der Entdeckung der Planckschen Energiequanten ..., Teil I und II, Akademie-Verlag Berlin 1975/77, Seite 172

[K r i t i k] [Masse] [Unsch„rfe] [Freiburg 08] [Universaltheorie] [Quantenwirbel] [Einfhrung] [Was ist Licht?] [Relativit„tsprinzip] [Intuitive Gewiáheit] [Kontakt]